Lehre aus Boetticher-Skandal: Beziehungs-TÜV jetzt!

Posted on August 14, 2011 von

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boetticher

Der ausbeuterische, menschenfeindliche und die Massen versklavende Kapitalismus kennt ein zynisches Gesetz: Er erklärt alles, was nicht ausdrücklich gesetzlich verboten ist, kurzerhand für erlaubt. Kein Wunder, dass von einem solchen Mindset nur die regressiven Kräfte profitieren können. Sie suchen sich ihre Schlupflöcher, während die fortschrittlichen Kräfte mit dem Verbieten sozial ungerechter oder nicht mit den Parteidirektiven in Einklang stehender Verhaltensweisen nicht hinterherkommen.

Anders der Sozialismus: Für ihn mag eine Handlung zwar nach den Gesetzen des bürgerlichen Rechtsstaats formal erlaubt sein, aber dennoch so massiv jedwedem gefestigtem fortschrittlichem Bewusstsein und dem entwickelten Klassenstandpunkt zuwiderlaufen, dass die Partei und die Nationale Front aller gesellschaftlich relevanter Kräfte gar nicht anders können, als ihren Urheber aus der Volksgemeinschaft Gemeinschaft aller Anständigen zu verbannen und dem Klassenauftrag nötigenfalls auch ohne gesetzliche Grundlage Geltung zu verschaffen.

Wer angesichts des überfälligen und in vorbildlichem blockparteilichem Verantwortungsbewusstsein erzwungenen Rücktritts des designierten CDU-Spitzenkandidaten Christian von Boetticher auf Grund einer – was erschwerend dazukommt: monogamen und heterosexuellen – Liaison mit einer 16-Jährigen die Frage aufwirft, wo denn das Problem wäre, wenn diese a) gegen kein Gesetz verstößt und b) keiner anderweitig verheiratet war, zeigt, dass er absolut nichts verstanden hat.

Es bedarf schon eines dialektischen geschulten Verstandes, um zu verstehen, dass es gerade nicht darum gehen kann und darf, im Land der Dichter und Denker wie Charlotte Roche und Alice Schwarzer reaktionäre Moralvorstellungen wiederbeleben zu wollen und vielleicht wieder ein Schutzalter von 18 Jahren zu installieren, während die Genoss_innen von der Partei der kritischen Intelligenz noch vor 25 Jahren die Abschaffung desselben für unter 14-Jährige gefordert hatten.

Es darf auch jetzt niemand auf die Idee kommen, plötzlich den Genossen Märtyrer der sexuellen Revolution, Marco aus Uelzen, zu diskreditieren, weil er seine Finger nicht von einer Zeitgenossin lassen wollte, die noch lange keine 16 war. Und seine Ehefrau für eine etwas jüngere Tattoo-Braut zu verlassen, ist deswegen auch noch lange nicht zu beanstanden.

Und schon gar nicht darf darauf verwiesen werden, dass der schändliche Renegat Boetticher einer geregelten Arbeit nachgehen und ein solides Einkommen beziehen würde, worauf potenzielle Schwiegermütter einen Wert legen würden.

Fakt ist einfach, dass – wenn sich monogame, heterosexuelle Liaisonen schon nicht gänzlich verhindern lassen – diese zumindest den inhaltlichen Anforderungen der Partei zu genügen haben, die diese verbindlich definiert aus Liebe zu allen Werktätigen und um diese vor unerwünschten Entscheidungen zu bewahren.

Große Altersunterschiede sind dabei eine Erscheinung, die in keiner Weise den Vorstellungen über eine emanzipatorische, gendergerechte Geschlechterpolitik entspricht, erst recht dann, wenn ein Teil sich in einem Alter befindet, in dem eine dauerhafte feste Beziehung notwendige unterschiedliche Erfahrungen verhindern würde, die zur Herausbildung einer politisch erwünschten sexuellen Identität führen. Wer sich, statt von Gleichaltrigen auf der Spring Break „ausprobiert“ zu werden, von einem gutsituierten älteren Mann zur Eröffnung neu erbauter Einkaufszentren zerren lässt, entwickelt allzu leicht Tendenzen zur konterrevolutionären Selbstabgrenzung und damit einer sozial nicht gerechten Verhaltensweise.

Eine Frau, die sich in einem so geschaffenen bürgerlich-reaktionären Familienidyll auch noch wohl zu fühlen beginnt, steht nicht mehr für den gesellschaftlichen Geschlechterkampf zur Verfügung und stabilisiert auf diesem Wege die kapitalistischen Produktionsverhältnisse. Sie verhält sich darüber hinaus auch höchst unsolidarisch gegenüber ihren Geschlechtsgenoss_innen, die bemerken müssen, dass es immer noch zahlreiche Männer gibt, die sich durch unerwünschte Partnerwahl der Durchsetzung fortschrittlicher Vorstellungen in der Gesellschaft entziehen.

Aus diesem Grund hat eine emanzipatorische und sozial wie ökologisch gerechte Politik Maßnahmen zu treffen, um assymetrische Paarfindungen zu verhindern.

Aus diesem Grunde sollte schnellstmöglich ein amtlicher Beziehungs-TÜV eingerichtet werden, beschickt mit studierten Sozialpädagog_innen, Genderforscher_innen, Funktionär_innen der sozialistischen Parteien und des Demokratischen Blocks sowie mit Vertreter_innen aus NGOs, Kirchen und Gewerkschaften, die verbindliche Empfehlungen darüber aussprechen sollen, wer mit wem eine Beziehung eingehen darf und wer nicht.

Außerdem muss ein Heiratsembargo gegen gender- und bewusstseinstechnisch regressive Gesellschaften durchgesetzt werden, sodass zB emanzipationsunwillige Männer nicht mehr auf Importbräute aus Asien oder Osteuropa zurückgreifen können.

Letzteres wäre auch aus klimapolitischen Gründen zu begrüßen, weil beispielsweise chinesische Frauen sich auf diesem Wege der Entscheidung der Partei darüber, wie viele Kinder sie haben dürfe, entziehen könnten.

Die deutsche Sektion der Vereinigungskirche („Mun-Sekte“) hat sich sogar schon bereit erklärt, bei der Einrichtung der Beziehungs-TÜVs zu helfen. Beim Arrangement von Heiraten nach klar definierten Vorgaben habe man ja bereits ausreichend Erfahrung.