Flugziel Natbag: Zionisten raus aus Israel!

Posted on Juli 8, 2011 von

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Kulturgeschichte / Religionsgeschichte / Juden / 19. Jh.

Man hatte an alles gedacht: Das Gepäck war mit dem Personal bereits vorausgeschickt, die abgelaufenen Ohrentropfen aus dem Alibert zusammen mit den Tütensuppen, die zuhause keiner mehr essen wollte, und den Liebesbriefen an die Hamas.

Sogar die Reiseroute war durch den Umweg über ein Drittland verschleiert. Aber das scheint dem Luftangriff auf den Ben Gurion Airport zum Verhängnis geworden zu sein, denn warum sollte jemand, der von Paris nach Tel Aviv möchte und mit Ungarn gar nichts am Hut hat, ausgerechnet über Budapest fliegen? Nichts gegen Malev, bei denen ist es auch nicht anders als sonst überall, aber: Ist doch etwas umständlich; auffallend umständlich sogar.

Und nun das: Da kommt man in Charles-de-Gaulle an den Malev-Schalter, voll guter „politischer“ Intentionen, nämlich um dem unterdrückten Volk zu helfen, sich von israelischer Verwaltung und eben nicht von der Hamas zu befreien, und dann das: Man bekommt zu hören, die israelische Regierung werde eine/n nicht einreisen lassen.

Mit der lahmen Begründung, man plane sowieso nichts weiter, als sinnlose „politische“ Unruhe zu stiften in der festen Absicht, jene „Ereignisse“ zu produzieren, über die in den Nachrichten so gerne berichtet wird, wenn Israel wieder mal schlecht aussehen soll.

Einfach unglaublich, nicht wahr? Also bitte, eine Matze Mitleid mit diesen Verzweifelten, mit diesen Überzeugungstätern, die sogar den Umweg über Budapest in Kauf nehmen würden, nur um beim großen „kill the Jews“-Hamas-Soli-Spektakel mitzumachen.

Dazu war diesen „guten“ Bessermenschen ausnahmsweise sogar ihr CO2-Abdruck egal. Auch über die Strahlenbelastung bei Interkontinentalflugreisen machten sie sich auf einmal weit weniger Gedanken als sonst, schließlich ging es um ihre „politischen“ Ziele. „Israel-Kritik“ ist schließlich wichtiger, als jedes Eigeninteresse, und sei dieses auch nur der Wunsch, gesund und/oder am Leben zu bleiben.

Also, was ist schon das Selbst-Opfer eines erhöhten Krebsrisikos verglichen mit all den „Opfern“, die das unterdrückte Volk jeden Tag erdulden muss, mit seinem heldenhaften Widerstand gegen Israel, dem einzigen Zweck seiner „politischen“ Existenz?

Und was ist überhaupt dieser jüdische Staat? Wer hat den denn erlaubt? Ist der überhaupt legitim? Darf der das einfach so, die Schotten dicht machen? Wer hat gerade denen das Recht dazu gegeben?

Schlimm genug, dass sie sich in ihrem eigenen Land mittels einer Mauer (die zu 90% ein Zaun ist) erfolgreich davor schützen, von Terrorist_innen  umgebracht zu werden, aber wenn es um die „Befreiung“ von „Palästina“ (from the river to the sea) geht, dann könnten diese Juden „Zionisten“ sich doch etwas toleranter und einsichtiger verhalten, bitteschön, und einsehen, dass die Stunde ihres „spätkolonialistischen“ Projektes längst geschlagen hat.

Darum: Zionisten raus aus Israel!

Die überaus Palästina-solidarische Volks-Genossin Helen Thomas hat doch schon gesagt, wohin die Reise gehen muss, und wäre sicherlich gerne bereit, ihre Haushaltshilfen vorbei zu schicken, damit sie dem einen oder anderen „Zionisten“ die Koffer packen, und der Käpt’n der Mavi Marmara hat seine Meinung, wohin „The Juice“ gehören, schon beim letztjährigen Hep-Hep-zur-See zum Ausdruck gebracht. Okay, das Wording könnte man noch etwas eleganter gestalten, aber sonst war doch alles voll auf der Höhe der aktuellen „Israel-Kritik“, beim maritimen „kill the Jews“-Spektakel im letzten Jahr.

Nachdem der terrestrischen Variante dieses uralten Brauchs eher bescheidener Erfolg beschieden war – mangels Präsenz in den Medien, die spürten, dass der „Arabische Frühling“ die fettere Story ist (und außerdem bekanntlich sowieso von Na-Sie-wissen-schon-wem kontrolliert und manipuliert werden) – war es Zeit für die aeronautische Variante jenes stets aktuellen Gesellschaftsspiels, das die Aporien erträglich machen soll, die es erst erzeugt, also nicht anders als eine Droge funktioniert.

Und im Hochgefühl ihres „antizionistischen“ Vollrauschs trommeln die großen und die kleinen Volks-Genossen dann also beim Malev-Schalter im Charels-de-Gaulle-Flughafen auf dem Schalter herum, weil man sie nicht an ihren Stoff kommen lässt, fordern freien Flug für freie Bürger und schimpfen auf Israel, weil es sich nicht von ihnen beschimpfen lassen will; voilà, der gemeine „Linke“ als „politischer“ Wutbürger in seinem Soziotop, einfach zu und zu typisch.

Aber Vorsicht, das Video ist erstens en français und enthält zweitens einige sehr grafische Details; das ist nichts für schwache Nerven.

Mapitom!

Wie kann der jüdische und demokratische Staat sich nur erdreisten, einfach so Gesetze anzuwenden? In diesem Fall das Einwanderungsgesetz aus dem Jahr 1952, das es untersagt, einer Person ein Visum zu erteilen, die mit dem festen Vorsatz nach Israel einreisen will, sich anti-israelisch zu betätigen?

Wie kann der jüdische und demokratische Staat sich nur erfrechen, sich nicht zum Büttel machen zu lassen für Leute,  bei denen objektive und subjektive Relevanz in einem idiosynkratischen, symptomatischen Verhältnis zu einander stehen; und idiosynkratisch und symptomatisch ist in diesem Zusammenhang wirklich noch geschmeichelt.

Schließlich und endlich: Beweist sich nicht hier, dass „jüdisch“ und „demokratisch“ eben doch ein „Widerspruch in sich“ ist, wie der zweite Bürgermeister von Duisburg und große Vorsitzende der lokalen „Links“-Filiale, Hermann Dierkes, es bereits in seiner überaus gekonnten Selbstauskunft auf den Punkt gebracht hat?

Deutsch und demokratisch zu sein ist selbstverständlich kein Widerspruch in sich, zumindest das hat die DDR bewiesen, und die hat schließlich auch nicht jede_n einreisen lassen, vom Ausreisen ganz zu schweigen.

Aber, warum in die historische Ferne schweifen? Was macht die deutsche “Asyl”-Politik so effektiv? Wie geht die EUdSSR mit einreisewilligen, aber “politisch” durchaus unerwünschten Personen um? Mittels einer Truppe privater Sicherheitskräfte, die alle ins Meer werfen oder in die Wüste schicken, die ohne Visum nach Europa wollen.

Aber: Was sind 5.000 Tote jedes Jahr vor der Festung Europa im Vergleich zu dem Verbrechen, ein paar Überzeugungs- und Verzweiflungstäter nicht einreisen lassen zu wollen, die sich in Israel anti-israelisch betätigen wollen?

Rhetorische Frage, ich weiß.

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